Geistliches Wort - Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde

Ev.-luth. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde
Hannover Badenstedt
Ev.-luth. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde
Hannover Badenstedt
Direkt zum Seiteninhalt

Plaudern wir mal ein bisschen ...


vielleicht über das Wetter. Momentan, Ende Mai, ist es wechselnd bewölkt mit geringer Schauerneigung und kühlem Wind aus Nordwest. Ob der Sommer auch so wird oder wieder warm und knochentrocken? Vielleicht gibt es aber auch Vordringlicheres zu bereden. Corona … Wird es eine zweite Welle geben? Wann und wie geht es weiter mit Kindergarten, Schule und Wirtschaft? Wer wird daran sterben?
Die letzten Monate habe ich seltsam doppelbödig erlebt. Angst eher nur untergründig. Die maskierten Gesichter um mich herum haben mich irritiert und tun es noch, doch ich trage ja auch oft den Mund‐Nase‐Schutz. Ein bisschen habe ich mich daran gewöhnt. Aber bis heute liegt für mich ein leichter Hauch von Unwirklichkeit über der Szenerie.
Die Reihe „Statt Gottesdienst“ (zu finden auf www.martin‐luther‐ahlem.de)  aufzunehmen war in dieser Zeit eine Freude.

Neues habe ich gelernt: Telefon‐ und Videokonferenzen – und dass die Kamera meines Laptops kaputt ist. Auch Worte wie Viruslast und R‐Wert. Da mich aber die Seuche weder arbeitslos machen wird, noch mich sonst sehr eingeschränkt hat, ging es mir eigentlich ganz gut – weder musste ich nebenher Kindergarten und Schule ersetzen noch hocken im Pfarrhaus zu viele Menschen aufeinander und können nicht weg. Ich bin in der Tat privilegiert …

Plaudern wir noch ein bisschen ...

... über das Wetter. Kommen wir dabei ruhig vom Hölzchen aufs Stöckchen. Wie wird es diesen Sommer geworden sein? Zu nass, zu trocken, zu heiß, zu kalt, zu schwül? Was werden die Borkenkäfer und die Waldbrände machen? Und die anderen Insekten? Und die Luft mit CO2 und Stickoxid? Konnte man in die Ferien fahren? Sie werden es jetzt schon wissen.
Noch gar nicht gesprochen haben wir über das Klima. In letzter Zeit ist es etwas unter dem Radar meiner Aufmerksamkeit durchgerutscht. In den Nachrichten konnte man Ende Mai von einem Taifun mit ca. 80 offiziellen Toten in Bangladesch hören, genau zwei Tage lang. Und aus Chegato haben wir auch Nachrichten, nicht über das Klima, sondern über die Seuche. Ich nehme an, viele Menschen dort hätten gern unsere Sorgen. Irgendwann wird es vermutlich Medikamente und Impfstoffe geben. Irgendwann werden die Podcasts auslaufen und die Virologen werden wieder ein in ihre Labore zurückgezogenes, ruhigeres Berufsleben führen
können. Wir alle werden dann tun, wonach so eine große Sehnsucht besteht: Endlich wieder leben wie vorher. Endlich wieder Normalität wird dann herrschen. Wer glaubt, die Pandemie berge ein Potential zum Umdenken, gar Umsteuern in sich, der irrt deshalb
meiner Meinung nach. Schön wär’s natürlich und ich hätte gerne unrecht.  

Und nun?

Die Wirtschaft brummt hoffentlich bald wieder dank staatlicher Unterstützung. Alle, fast alle können wieder arbeiten wie bisher, Urlaub machen wie bisher, Autofahren wie bisher, fliegen und natürlich auch Bahn fahren oder Fahrrad.
Das Polareis und die Gletscher werden während dessen weiter schmelzen; die Infektion der Atmosphäre durch Menschen wird nicht schnell genug abklingen. Die Beharrungskräfte des Bestehenden werden sich als stark erweisen, stärker als die Perspektiven von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

Nach der Sintflut verspricht Gott Noah und den Seinen:
„Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Tag und Nacht,
Sommer und Winter, Frost und Hitze, Saat und Ernte.”
Und dann setzt er seinen Regenbogen in die Wolken (Genesis 8).
Ich erinnere mich an Zeiten, da klangen diese Worte beruhigender. Fast höre ich sie heute mit Wehmut.

Trotzdem und damit der Unkenruf nicht zur Ursache seiner Erfüllung wird, müssen wir alles versuchen, dass es zum ökologischen Umbau unserer in die Sackgasse geratenen Zivilisation kommen kann. Noch ginge das. Noch …

Stefan Krause

Liebe Leser*innen!

Das ist das letzte Geistliche Wort von Pastor Stefan Krause – am 1. August 2020 verabschiedet er sich in den Ruhestand (siehe auch hier). Das ist der Schlusspunkt eines langen Wirkens in der Kirchenregion West – und in der Paul‐Gerhardt‐Kirchengemeinde.
Denn Stefan Krause war nicht nur lange Jahre Pastor der Martin‐Luther‐Gemeinde Ahlem, sondern noch längere Jahre Pastor der Paul‐Gerhardt‐Gemeinde, nämlich von 1987‐2006.
Beim Stöbern in alten Gemeindbriefen lässt sich erahnen, dass Stefan Krause damals frischen Wind in unsere Gemeinde gebracht hat – klar und nicht nur unumstritten. Mit ihm erhob Kirche ihre Stimme für Natur und Gerechtigkeit.
Unvergessen sind die legendären Konfirmandenfreizeiten – immer noch gibt es die Kinokirche.
Auch von Ahlem aus, zwei Gemeinden weiter, arbeitete er über Gemeindegrenzen hinweg regional. Immer noch fuhr er gerne auf Konfirmandenfreizeiten (und weckte dort die Konfis mit morgendlichen Chorälen auf den Gängen). Wo er auch war, setzte er eigene Akzente und ließ gleichzeitig anderen Ideen viel Raum, so dass überraschend Neues möglich wurde, etwa das Café Faire Bohne.

Vielen Dank für viele Jahre bereichernder Zusammenarbeit und Gottes Segen für die nächsten Jahre!

Manuel Kronast

     



Zurück zum Seiteninhalt