Informationen - Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde

Ev.-luth. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde
Hannover Badenstedt
Ev.-luth. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde
Hannover Badenstedt
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Informationen aus der Gemeinde
Alles in Farbe!?

Ganz Hannover druckt Gemeindebriefe in Farbe. Ganz Hannover?
Nein, eine kleine Kirchengemeinde am Stadtrand druckt
immer noch in Schwarzweiß ...
So war das bis jetzt. Und es gab und gibt viele, die sagen:
Warum auch nicht? So ist der Paul-Gerhardt-Brief etwas Besonderes.  
Wir wollen es nun einfach wissen:  Wie sieht ein Paul-Gerhardt-Brief in Farbe aus und vor allem: Wie kommt er an? Wie er aussieht, das können Sie nun sehen. Aber wie er ankommt, das würden wir gerne von Ihnen wissen.
Geben Sie uns Rückmeldungen, kritisieren oder loben Sie!
Persönlich, am Telefon oder per Email.  
Oder kommen Sie und arbeiten Sie in der Redaktion mit. Wir suchen besonders jemanden, der oder die sich mit Layout auskennt (siehe unten).

Nun aber viel Freude mit dem neuen Paul-Gerhardt-Brief!

Vielen Dank und alles Gute!

1992 war an Farbe natürlich noch lange nicht zu denken. Für die Herbstnummer diesen Jahres stieß Hermann Rottmann zur Gemeindebriefredaktion - und ist seitdem dabei geblieben.
Seine Spezialität war und ist das Layout, über 26 Jahre war er dafür verantwortlich. Etliche Veränderungen des Briefes hat er mitgestaltet. Mit der vorliegenden Ausgabe ist er zum letzten Mal dabei - nach so vielen Jahren ist einfach mal was anderes dran.
Wir haben immer wieder profitiert von der Geduld und Kreativität, die er in über 150 Ausgaben gesteckt hat. Vielen Dank und alles Gute!

Für die Redaktion: Manuel Kronast




Neu in der Gemeinde

Viele von Ihnen haben mich schon gesehen, manchen konnte ich mich schon persönlich vorstellen:
Ich bin Jutta Fricke und habe am 1. Oktober die Leitung der Paul-Gerhardt-Kindertagesstätte übernommen.
Von den Eltern und Kindern, sowie vom Kita-Team wurde ich sehr freundlich empfangen. In den Kontakten zur Kirchengemeinde fühle ich mich offen und herzlich begrüßt.  
Vielen Dank für diesen schönen Empfang!
Bisher war ich als Stellvertretende Leiterin einer ev.-luth. Kita mit 100 Kindern tätig.
Berufsbegleitend habe ich mich zur Fachwirtin für Kindertagesstätten qualifiziert und möchte mich nun mit meinen Kenntnissen und Fähigkeiten, meinem Erfahrungsschatz und meinen Talenten für die Paul-Gerhardt-Kita einsetzen. Eine Herzensangelegenheit ist mir die Partizipation: Mit ihr lässt sich Inklusion und Vielfalt leben. Dabei ist mir Ressourcenorientierung und Transparenz sowie der wertschätzende Umgang mit Kindern, Eltern und Mitarbeitenden besonders wichtig. Zentrale religiöse Werte wie gegenseitiger Respekt, Gerechtigkeit, der Schutz der Schwachen und Zivilcourage lassen ein gutes Miteinander gelingen.
Nach dem aktuellen Bildungsverständnis zählen Partizipation und die offene Arbeit insbesondere im Kindergarten zu den Grundlagen der pädagogischen Arbeit. In der Paul-Gerhardt-Kita wurde und wird nach diesem Verständnis gelebt und gearbeitet. Ich möchte die gute Arbeit von Andrea Wolf weiterführen.
So freue ich mich auf eine gute Zusammenarbeit mit den Familien, dem Kita-Team und der Paul-Gerhardt-Gemeinde. Mit herzlichen Grüßen

Jutta Fricke



Hallo zusammen,

mein Name ist Liam Draheim. Ich bin seit Mitte September der neue FSJler der Kirchengemeinde in Badenstedt und primär im Bereich der Jugend- und Kinderarbeit tätig.  Ich komme aus Luthe bei Wunstorf und war schon dort einige Jahre bei verschiedenen kirchlichen Aktionen für Jugendliche freiwillig als Teamer aktiv, bringe also schon eine gewisse Grundkenntnis mit. In meiner Freizeit interessiere ich mich für Filme und Serien, schieße gerne Bogen und verbringe viel Zeit damit, zu zeichnen.  Ich hoffe, das restliche Jahr wird genauso positiv ablaufen, wie es für mich hier angefangen hat, und freue mich, den einen oder anderen von euch in Zukunft kennenzulernen.

Liam
Wer ohne grausame Texte in seiner Heiligen Schrift ist, ...

Am 19. Oktober gastierte der Bremer Schauspieler und Kabarettist Pago Balke zum zehnten Mal in der Paul-Gerhardt-Kirche. Unterstützt von Gerhard Stengert alias Abinandhana Balla-Badrah (Marimbaphon, Percussion, Akkordeon) spießte er in seinem Programm „unglaublich“ die liebenswerten Schrullen der Weltreligionen ebenso auf wie ihre explosiven Abgründe. Nach seiner eigenen Aussage ein Wagnis: zum ersten Mal in einer Kirche.
Hinterher wurde ich gefragt, wie ich es denn „als Pfarrer“ dabei ausgehalten hätte. Ich konnte einerseits antworten, dass ich mich gut amüsiert hatte (es war Kabarett und keine theologische Debatte) und dass derjenige, der nicht über sich selbst lachen kann, damit schleunigst anfangen sollte.
Auf der anderen Seite war es natürlich eine Herausforderung, weil der Abend uns als Christ*innen ziemlich gnadenlos die Frage stellte, wie wir mit unseren eigenen dunklen Texten und Traditionen umgehen. Wie halten wir es mit den Bibelstellen, die bestenfalls missverstanden werden können? In denen offensichtlich Gewalt gegen Ungläubige theologisch legitimiert wird, sogar von Jesus, der doch auch vielen Nichtchrist*innen als Prophet von Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit gilt.
Ein Vers aus dem Lukasevangelium wurde von Pago Balke mehrfach zitiert. Er kommt in der Tat aus dem Munde Jesu (Lukas 19,27): „Doch diese meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie herrsche, bringt her und macht sie vor mir nieder.“ Luther übersetzte noch drastischer: „erwürget sie vor mir“. Das ist doch nichts anderes als: „Schlagt die Ungläubigen tot!“
Nun können wir natürlich mit einem relativierenden „Aber!“ kontern: Jesus erzählt ein Gleichnis und zitiert einen fiktiven König, gegen den sich seine Untertanen auflehnen und der dazu aufruft, diese Revolution niederzuschlagen. Das Gleichnis ist ein Bild für das Jüngste Gericht. Wer die Herrschaft Jesu Christi nicht anerkennt, wird nach dem Ende der Welt bestraft.
Jesus ruft also nicht dazu auf, Ungläubige zu töten. Das Gewaltmonopol liegt bei Gott. Andererseits spricht aus diesen Worten eine kompromisslose Intoleranz gegenüber Andersgläubigen. Und so sind sie anschlussfähig für Fundamentalisten, die nur die eigene Religion gelten lassen und vielleicht die ewige Verdammnis für die anderen schon ein wenig vorziehen wollen, um Gott Arbeit zu ersparen.
Was also machen wir mit solchen Aussagen in einer Welt, in der wir mit Menschen anderer und ohne Religion zusammenleben müssen (und hoffentlich auch wollen!)?
Beharren wir darauf, dass jedes Wort der Bibel von Gott wortwörtlich diktiert wurde, dann stecken wir schnell in einer Sackgasse. Dann können wir aufgeben, also Atheisten werden, oder uns einigeln und auf Nicht-Glaubende bestenfalls hochmütig oder mitleidig herabblicken.

… der werfe den ersten Stein!

Nun ist die Bibel aber ein so bunter Strauß unterschiedlichster Texte, dass sie sich nur unter abenteuerlichsten Verrenkungen als widerspruchsfreies Diktat eines barmherzigen Gottes interpretieren lässt.
Ich selbst verstehe sie als einzigartige Sammlung von Glaubenserfahrungen unterschiedlichster Menschen. Sie ist göttlich, weil sie davon erzählt, was Gott mit uns vorhat, und sie ist menschlich, weil sie dieses Vorhaben mit menschlichen Worten erzählt, die immer gefärbt sind von unseren Hoffnungen und Ängsten. Warum überliefert denn der Evangelist Lukas gerade diese Worte? Auf welche Erfahrungen der ersten Christ*innen antworten sie? Warum ist es so wichtig, dass am Ende der Zeit die anderen bestraft werden und nicht die eigene Gruppe? Was heißt es überhaupt, dass Menschen nicht wollen, „dass ich über sie herrschte“?
Hier setzen Menschen ihre Hoffnungen auf Gott. Menschen, die sich angefeindet fühlen – und sich selbst nicht wehren können. Offensichtlich ist es ihnen wichtig, dass es nicht nur ihnen selbst schlecht geht,
sondern – viel endgültiger – auch den anderen: „Wenn du mich nicht in Ruhe lässt, dann hole ich meinen großen Gott, der wird es dir schon zeigen und zwar für die Ewigkeit!“
Und dabei verlieren sie aus den Augen, was Jesus in diesem Gleichnis auch noch erzählt: Dass wir alle von Gott mit Gaben ausgestattet sind, mit denen wir zum Segen werden können. Sie sind in Gefahr, den Kern der Bibel (Alten wie Neuen Testaments) aus den Augen zu verlieren: Dass Gott sich in unsere Welt aufgemacht hat, um uns zu retten. Dass er uns nicht für unsere Fehler vernichtet, sondern selbst dorthin geht, wo wir die schlimmsten Fehler machen. Nicht irgendwelche Gebote, Glaubenssätze oder Rituale sind Gott wichtig, sondern der Mensch. Gott ist schließlich nicht als Ritual geboren worden, sondern als Kind in der Krippe. Viel schlimmer als Un-Glaube ist Un-Menschlichkeit.
Diese Botschaft zieht sich durch die ganze Bibel. Aber dieses Buch berichtet eben auch davon, dass es Menschen nicht genug war, dass sie geliebt sind. Es war ihnen wichtig, dass andere gehasst werden. Das ist nicht die Spur, der ich in der Bibel nachgehen möchte, denn es bringt mir nichts. Doch es ist vielleicht auch ganz gut, dass nicht irgendwer die Bibel von solchen Stellen gesäubert hat. Denn sie erinnern mich daran, dass wir Christ*innen nicht automatisch die besseren Menschen sind. Dass wir ebenso in Gefahr sind, andere abzuwerten und kleinzumachen. Sie halten uns davon ab, hochmütig auf andere Religionen herabzublicken.
Religiöse Intoleranz versperrt den Blick auf den Menschen. Und deshalb ist sie unchristlich.


Manuel Kronast

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