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Wissenswertes
Wir entdecken unsere Kirche V – Altarraum
In der letzten Folge unserer Reihe „Wir entdecken
unsere Kirche“ wollen wir in den Altarraum schauen. 1994 wurde unsere
Kirche zuletzt renoviert, dabei sind grundlegende Änderungen vorgenommen
wurden: der Fußboden erhielt Parkett, die Holzverkleidungen an den
Wänden wurden von Farbe befreit und in einem Holzton gestrichen, der
Sanitärbereich behindertengerecht saniert. Die größten Veränderungen
sind im Altarbereich geschehen. Die Nische wurde weiter durch die
Wölbung der Seitenwände, der gesamte Altarraum in die Kirche hinein
vergrößert; es gibt nur noch eine Stufe, die den Bereich vom Kirchenraum
abgrenzt. Das runde Altarfenster wurde wieder geöffnet, das bei einer
vorherigen Sanierung zugemauert worden war. Im Kirchenvorstand und in
der Gemeinde wurde kontrovers darüber diskutiert, ob es nur die Öffnung
des Fensters geben sollte oder eine grundlegende andere Gestaltung der
hinteren Wand mit einem großen Glasbereich. Der Kirchenvorstand hat mit
knapper Mehrheit beschlossen, das Fenster in der ursprünglichen Form
wieder zu öffnen, aber mit einer abgerundeten Laibung zu versehen.
Eigentlich sollte es auch noch künstlerisch gestaltet werden, aber aus
finanziellen Gründen musste man es lassen. So kann man hinaus sehen, im
Jahr 1994 noch auf einen wunderschönen Kirschbaum, der leider inzwischen
aus Sicherungsgründen gefällt werden musste. Die Kanzel, von der aus der
Pastor oder die Pastorin predigt, konnte erhalten werden. Sie wurde von
ihrem alten blaugrünen Anstrich befreit und transparent lackiert. Auch
das Lesepult sollte so behandelt werden, aber es stellte sich heraus,
dass es aus Spanplatten gefertigt war und damit nicht wieder
aufgearbeitet werden konnte. Ein neues wurde bestellt. Das alte hat
einer ehemaligen Vikarin noch lange als Stehpult gedient. Ganz neu ist
auch der Altar. Vor der Renovierung war es ein massiver Steinaltar, der
nicht bewegt werden konnte und der auch noch auf drei Stufen erhöht
stand. So konnte man z.B. beim Abendmahl nicht in einem Kreis um den
Altar stehen, sondern man stand unten dahinter. Das war der größte
Wunsch im Kirchenvorstand, im Pfarramt und vielen Teilen der Gemeinde:
Einen Altar zu haben, um dem man im Kreis stehen kann, sich ansehen und
damit die Gemeinschaft der Gläubigen sichtbar werden lassen kann. Ein
richtiger Tisch sollte es sein. Auch kann der Pastor die Liturgie nun
vor oder hinter dem Altar vollziehen: Kreuz und Gottesdienstbuch werden
entsprechend gestellt. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass wir den Altar
verschieben können und damit den Raum auch „bespielen“ können, z.B. beim
Schattenoder Krippenspiel am Heiligabend. Ein Kunsttischler, der Sohn
eines Gemeindemitglieds, hat den Altar entworfen und gebaut. Dann fehlte
nur noch das Kreuz. Das alte hing an der Stelle, an der sich nun das
runde Fenster befindet. Es gab wieder viele Diskussionen: Sollte es
hängen oder stehen? Wenn es hängen sollte, wo? Konnte man das Fenster
entsprechend gestalten? Schließlich entschied sich der Kirchenvorstand
für ein kleines Standkreuz. Es durfte nicht zu groß sein, weil es sonst
den Liturgen verdeckt, wenn er hinter dem Altar steht. Es ist eine
Kompromisslösung, die immer mal wieder die Frage aufwirft, ob es nicht
doch noch eine andere und bessere Lösung geben könnte. Einigen ist das
Kreuz zu klein und unsichtbar. Ein Arbeitskreis wurde zu dieser Frage
gebildet, der aber zur Zeit seine Arbeit ruhen lässt, weil es andere und
vor allem drängendere Probleme gibt. Jede Kirchenrenovierung bildet Jede
Kirchenrenovierung bildet auch immer ein Stück Zeitgeschichte ab: die
Wahl der Farben, der Altar eher Tisch oder Opferstein, die ursprüngliche
Gestaltung zu rekonstruieren oder dem Zeitgeschmack anzupassen, usw.
Auch in unserer Kirche gab es einmal Wandmalereien, man konnte große
Engelfiguren an den Wänden neben der Altarnische sehen. Wichtig ist,
dass man gern in die Kirche kommt und in ihr segensreich Gottesdienst
feiert. Susanne Hache

Sonntagsnamen und ihre Bedeutung
In der letzten Ausgabe des
Paul-Gerhardt-Briefs (April/ Mai) habe ich einige Bedeutungen der Namen
der Sonntage erklärt. Bis Ende Mai war ich gekommen. Am 5. Juni ist „Exaudi“.
Auch dieser Name leitet sich von einem Antiphon (einem Leitvers) eines
Psalms ab und zwar vom Psalm 27, Vers 7: Herr, höre meine Stimme, wenn
ich rufe. Am 12. und 13. Juni feiern wir Pfingsten: das Fest des
Heiligen Geistes und den Geburtstag der Kirche. Die Bibel erzählt, dass
die Apostel (und wahrscheinlich noch andere Männer und Frauen, die Jesus
gefolgt waren) an einem Ort beieinander saßen. Da kam der Heilige Geist
auf sie, und sie trauten sich hinaus und begannen zu predigen von Jesu
Tod und Auferstehung. Viele Menschen ließen sich daraufhin taufen und
damit begann die christliche Kirche. Der Begriff „Pfingsten“ kommt vom
griechischen Wort „Pentekost“ und bedeutet: der 50. Tag. An diesem Tag
(dem 50. Tag nach dem Passahfest) feiern die Juden das Wochenfest,
zunächst ein Erntefest. Deshalb waren auch so viele Menschen in
Jerusalem versammelt. Da kam der Heilige Geist auf die Apostel und so
feiern wir am 50. Tag nach Ostern Pfingsten. Zwischen Ostern und
Pfingsten liegt noch „Himmelfahrt“ dessen Name sich selbst erklärt.
Jesus kehrt zu Gott zurück, in den Himmel. Der Sonntag nach Pfingsten
heißt „Trinitatis“, das bedeutet „Dreieinigkeit“ oder „Dreifaltigkeit“.
Damit ist das Bekenntnis zum dreieinigen Gott gemeint: Vater, Sohn und
Heiliger Geist. Es gehört zu den am schwierigsten zu vermittelnden
Inhalten, dass wir Christen nur einen Gott haben und an einen Gott
glauben und trotzdem von Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen
Geist sprechen. Nach Trinitatis beginnt die sogenannte festlose Zeit,
ohne größere kirchliche Feste. Daher werden die Sonntage einfach
durchnummeriert: 1. Sonntag nach Trinitatis, 2. Sonntag nach Trinitatis,
usw. Die Gesamtzahl richtet sich danach, wie früh oder spät Ostern im
Kirchenjahr liegt – in diesem Jahr gibt es weniger Sonntage nach
Trinitatis, weil Ostern erst Ende April war. Zum Ende der Trinitatiszeit
wird noch das Erntedankfest gefeiert, am ersten Sonntag nach dem
Michaelistag (29.9.), in diesem Jahr am 2. Oktober. Danach werden die
Sonntage weiter gezählt bis zum vorletzten Sonntag des Kirchenjahres.
Susanne Hache

Wir entdecken unsere Kirche IV – Taufbecken und Taufbaum
Im Südwesten unserer Kirche entdecken wir das Herzstück
des Sakralbaus: das Taufbecken. Seine Geschichte ist lesenswert: Sie
geht nicht bis zur Zeit der Kircheinweihung, 1926, zurück, sondern „nur“
bis 1945. Nach Kriegsende entstand im Rahmen einer Neugestaltung des
Gottesdienstraumes der Wunsch nach einem Taufbecken.
Der
Entwurf wurde von Studienrat Friedrich Heinrichsen aus Ricklingen
gefertigt, die Ausführung der Stein- und Bildhauerei Witte in
Herrenhausen übertragen. Die Mittel zur Beschaffung des Steines kamen
bei Feiern des Kindergottesdienstes der Gemeinde 1945 und 1946 zusammen
sowie bei verschiedenen anderen Kinder- und Jugendveranstaltungen: 1.010
Reichsmark! Ein Taufstein „aus bestem Obernkirchener Sandstein,
allseitig fein geschliffen bearbeitet, Inschriften und Ornamente
vertieft erhaben“. Am 23. April 1946 vom Kirchenvorstand in Auftrag
gegeben, zogen sich Fertigstellung und Lieferung hin: es war
Nachkriegszeit - und das erforderliche Steinmaterial stand dem Steinmetz
nicht in ausreichender Menge zur Verfügung. „Ich erlaube mir
noch
einmal im Auftrag unseres Kirchenvorstandes anzufragen, ob die Arbeiten
... inzwischen in Angriff genommen sind“, schreibt Pastor Reich am 4.
November 1947 an Firma Witte. Endlich, fast zwei Jahre nach
Auftragsvergabe, am Sonntag Quasimodogeniti, dem 4. April 1948 konnte
der Taufstein feierlich in Gebrauch genommen werden. Es wurden drei
Kinder getauft. Der Taufhandlung lag der im Taufstein eingemeißelte
Spruch „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum
Vater denn durch mich“ zugrunde, die Jahreslosung des Jahres 1945. Seit
jenen Tagen wurden unzählige Kinder, Jugendliche und Erwachsene an
unserem Taufstein getauft. Das Wasser wird dabei in eine Zinnschale
gegossen, die die Inschrift trägt: „Valentin Lampe. Margarete Herrmanns
1696“. Der Taufstein wird „ergänzt“ durch einen Taufbaum - wir verdanken
ihn der Initiative einer ehemaligen Kirchenvorsteherin. Hier begegnen
uns die Bilder der in den vergangenen Monaten getauften Kinder. Ihre
Fotos erinnern uns daran, dass die Gemeinde um diese kleinen und
größeren Geschöpfe reicher geworden ist. Nach ca. einem Jahr werden die
Fotos abgenommen und zusammen mit einer Einladung zum Krabbel- oder
Kindergottesdienst den Familien zugeschickt.
K.-R. Prieber

Wir entdecken unsere Kirche III - Jesus und Johannes
Wenn
wir die Kirche verlassen, sehen wir an der Rückwand rechts eine etwa 50
– 60 cm große Holzschnittfigur. Sie stellt Jesus mit seinem Lieb-
lingsjünger Johannes dar (Johannes-Evangelium Kapitel 13, Vers 23).
Jesus sitzt auf- recht und blickt liebevoll auf Johannes hinunter, der
seinen Kopf vertrauensvoll an Jesu Brust lehnt. Auf seiner Schulter
liegt Jesu linke Hand und mit der rechten umfasst dieser Johannes rechte
Hand. Die ganze Gruppe strahlt liebevolle Zuwendung und Geborgenheit
aus. Es handelt sich hier wahrscheinlich um die Kopie einer Skulptur,
die um etwa 1350 in Oberschwaben aus Eichenholz geschnitzt wurde. Mein
Sohn hat sie in Berlin in der Skulpturen-Galerie erworben. Als ich sie
später bekam, suchte ich nach einer würdigen Umgebung. Daher hängt sie
seit 1991 in unserer Paul-Gerhardt-Kirche.
Ursula Reinhardt
Wir entdecken unsere Kirche II - Die Orgel
Wer den Kirchsaal betritt, hat sie sofort im Blick:
unsere Orgel – zwar platzsparend in eine Ecke eingefügt, aber trotzdem
unübersehbar und vor allem unüberhörbar. Gebaut wurde sie 1937 von der
Firma Hammer und ist wohl inzwischen die einzige ihrer Art. Sichtbar
sind das Gehäuse – genannt Orgelprospekt – und der Spieltisch mit der
Bank. Der Prospekt besteht aus einer Holzverkleidung mit einer Reihe von
Pfeifen. Es sind allerdings nur zum Teil klingende Pfeifen, viele sind
nur Zierwerk. Zum Spieltisch gehören zwei Manuale – von Hand bespielt –
und das Pedal, das mit den Füßen gespielt wird. Neben den Manualen sind
rechts und links die Registerzüge zu sehen. Mit ihnen werden die zehn
Register, die unsere Orgel besitzt, bedient. Register bezeichnen die
verschiedenen Klangfarben, die durch die unterschiedlichen Pfeifentypen
erzeugt werden können: laut oder leise, scharf oder zart, metallisch
oder weich, hoch oder tief. Auch lassen sich durch
Registerzusammenstellungen immer wieder neue Klänge erzeugen. Durch eine
Tür im Prospekt gelangt man in das Innere der Orgel, wo sich die etwa
1.600 Pfeifen befinden. Die kleinsten sind nur wenige Zentimeter hoch,
die größten bis zu zwei Meter. Je nach Typ sind sie aus Zinn, Kupfer
oder Holz. Einmal im Jahr müssen sie gestimmt werden, und zwar jede
einzeln! Die Luft, die die Pfeifen zum Klingen bringt – fachlich „Wind“
genannt – kommt vom Blasebalg, der samt dem Motor im angrenzenden Raum
untergebracht ist. Die Orgel gab es schon im Altertum. Ihre Bestimmung
als Instrument in Kirchen erhielt sie aber erst im Mittelalter, als der
Choralgesang immer mehr an Bedeutung gewann. Seitdem erklingt die
„Königin der Instrumente“ zum Lobe Gottes in Gottesdiensten und
Konzerten – auch in Badenstedt in der Paul-Gerhardt-Kirche.
Helga Badt

Wir entdecken unsere Kirche I
Unter diesem Thema haben wir im April den
Krabbelgottesdienst gefeiert. Die Kinder und ihre Angehörigen sind durch
die Kirche gezogen und haben sich verschiedene Teile der Kirche wie
Orgel, Taufbecken, Altar und Fenster genau angesehen. Dabei haben wir
festgestellt, dass es nicht nur für die Kinder, sondern auch für die
Erwachsenen manches Neue zu entdecken gab: z.B. die bunten runden
Fenster – was stellen sie dar und welche Bedeutung haben die
Darstellungen? Oder die Tücher an Altar und Kanzel – warum wechseln dort
die Farben? Der Redaktionsausschuss hat sich deshalb entschieden, in den
nächsten Ausgaben des Paul-Gerhardt-Briefs einzelne Teile der Kirche zu
erläutern und damit neu zu entdecken. In dieser Ausgabe soll es um die
Tücher am Altar und an der Kanzel gehen. Das Tuch am Altar heißt „Antependium“
– von den lateinischen Worten „ante“ = vor und „pendere“ = hängen. Das
Antependium und das Tuch an der Kanzel gehören zu den liturgischen
Tüchern und Teilen, die mit dem Oberbegriff „Paramente“ bezeichnet
werden. Seit dem 4. Jahrhundert nach Christus sind Antependien
gebräuchlich; früher waren sie aus sehr kostbaren Stoffen und reich
bestickt. Sie schmücken den Altar und erklären gleichzeitig etwas zum
Kirchenjahr. Die Antependien richten sich in ihren Farben nämlich nach
dem Kirchenjahr und den dazu gehörigen liturgischen Farben. Das
Kirchenjahr beginnt, anders als das Kalenderjahr, am 1. Sonntag im
Advent und endet am Ewigkeitssonntag. Es richtet sich zunächst am Leben
Jesu aus (Geburt – Weihnachten; Sterben und Auferstehung – Karfreitag
und Ostern ...) und kommt dann zu allgemeineren Festtagen wie
Erntedankfest und Reformationstag. Genaueres zum Kirchenjahr und den
einzelnen Sonntagsnamen werden wir eventuell in einer späteren Ausgabe
erläutern. Auf jeden Fall gehört zu jedem Fest und auch zu der
sogenannten festlosen Zeit eine liturgische Farbe. Es gibt fünf
liturgische Farben: weiß, rot, grün, violett und schwarz. Weiß ist die
Farbe der Reinheit und damit die Christusfarbe. Das heißt: an allen
Christusfesten hängen die weißen Antependien (die in unserer Kirche mit
Gelb und Gold durchwirkt sind) am Altar – also zu Weihnachten und die
Sonntage danach, Epiphanias, Gründonnerstag, Ostern und die Sonntage der
Osterzeit, Himmelfahrt und Trinitatis. Rot ist die Farbe für den
Heiligen Geist, das Feuer, die Liebe. Unsere schönen roten Antependien
sind somit leider nur zu Pfingsten, den Konfirmationen und
Reformationstag zu sehen. Violett ist die Farbe der Buße, Stille und
Umkehr. Somit hängen die violetten Tücher am Buß- und Bettag, in der
Passionszeit und auch in der Adventszeit, denn diese ist eigentlich eine
Zeit der inneren Vorbereitung. Schwarz: ist die Farbe der Trauer – also
die Farbe für den Karfreitag. Grün ist die Farbe der Hoffnung und des
Wachstums. Am Ewigkeitssonntag weisen die grünen Tücher auf die Hoffnung
auf das ewige Leben hin. Das, was zu den großen Festen gefeiert wurde,
soll im Alltag weiterwachsen, d.h. in der sogenannten festlosen Zeit
schauen wir auch auf die grünen Tücher (Epiphanias-, Vorfasten- und
Trinitatiszeit). In unserer Paul-Gerhardt- Kirche haben wir vor einigen
Jahren die Paramente erneuert, weil die alten doch schon sehr abgenutzt
und vor allem die grünen durch die häufige Nutzung auch verblichen
waren. Leider hat unser Geld nicht auch noch für aufwendige Stickereien
gereicht. In manchen Kirchen sieht man auf den Tüchern auch noch Symbole
für die einzelnen Feste. Wenn Sie mal eine andere Kirche besuchen,
schauen Sie doch mal genau hin.
Susanne Hache
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