Geistliches Wort - Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde

Ev.-luth. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde
Hannover Badenstedt
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Auch 2020 ...


weisen schon im September die Zimtsterne den Weg nach Weihnachten. Aber 2020 ist völlig unklar, was uns dort erwartet. So manches „Alle-Jahre-wieder“, auf das wir uns gefreut oder vor dem wir uns gegruselt haben: Es wird nicht sein können oder es wird anders sein müssen: Das Krippenspiel im vollbesetzten Gottesdienst. Die Großfamilie unter dem Tannenbaum. Der unbeschwerte Gang mit Glühwein über den Weihnachtsmarkt. Die Weihnachtsflucht in die Wärme nach Gran Canaria. Die Liste ist lang …
Und trotzdem werden die Zimtsterne recht behalten: Weihnachten wird kommen – zum Glück! Denn dieses Fest hat seine Karriere gestartet als Ereignis enttäuschter Erwartungen und unerwarteter Hoffnungen.                                       (Foto: Lotz)

Ein Engel verkündet einer Frau, sie werde das Gotteskind gebären. Keiner Königstochter, sondern der Frau eines Bauarbeiters. Verkehrte Welt.
Maria und Josef wünschen sich fürihr Kind einen geborgenen Start in die Welt – aber Jesus wird in einem fremden Stall geboren. Gott taucht unerwartet dort auf, wo er gebraucht wird.
Hirten werden als erste Gratulanten zum neugeborenen Königskind geschickt. Erkennungszeichen: Nicht Juwelen, sondern Windeln. Göttliche Prioritäten.
Weise aus dem Morgenland wollen gratulieren, wo es schicklich ist, in einem Palast.
Aber ein hartnäckiger Stern navigiert sie zum Stall, wo sie mit ihren Geschenken normalerweise völlig fehl am Platz wären.
Offensichtlich hat ein göttlicher Eventplaner grandios an den Erwartungen seiner Zielgruppen vorbeigeplant. Aber diese Geburt und was daraus entsteht werden für Millionen von Menschen zur Hoff-
nungsquelle.
Weihnachten heißt: Gott ist mitten unter uns. Nicht im gemachten Bett, sondern im unaufgeräumten Alltag. Nicht nur dort, wo alle satt und durchgeplant sind, sondern gerade dort, wo alles zusammenbricht.
Dort, wo ihn niemand erwartet, vielleicht niemand erhofft.
Wo Menschen einsam sind, vielleicht zum ersten Mal an Weihnachten, vielleicht wie immer an Weihnachten. Wo sich Menschen wieder mal kein Weihnachten leisten können (und es vielleicht zum ersten Mal jemand merkt). Wo Menschen neu überlegen, was sie an Weihnachten wirklich
wollen und wie das gehen kann.
In Betlehem kommen Menschen aus unterschiedlichsten Richtungen ungeplant an der Krippe zusammen. Sie können die Gottesgeburt nicht exklusiv für sich buchen, sondern teilen sie mit anderen. Wir
sind keine Einzelwesen, die orientierungslos durch die Welt irren, sondern dadurch verbunden, dass Menschsein ein Gottesgeschenk ist.
Weihnachten braucht 2020 mehr Fantasie als sonst. Es wird schwieriger, einander Liebe zu schenken. Oder: Es wird eine größere Herausforderung – denn dass wir Liebe brauchen, ist selten klarer als jetzt.
Doch Gottesliebe und Menschenliebe funktionieren (siehe Betlehem!) auch ungeplant und an unerwarteten Orten.
Denn wir alle sind Menschen, die Gott so sehr liebt und denen er so viel Liebe zutraut, dass er zwischen ihnen auf die Welt kommen will.

Gesegnete Weihnachten!

Ihr
Pastor Manuel Kronast

+++

Weihnachten 2020

Ist Ihnen in der Heiligen Nacht auch schon der schöne Holger begegnet?  
Welcher Holger, fragen Sie? Na, der „Holger, Knabe im lockigen Haar“. Und wie großartig, dass der berühmte Komponist Beethoven damals seinen Stall für das Jesuskind geöffnet hat: „Ihr Kinderlein kommet, oh kommet doch all. Zur Krippe her kommet, in Beethovens Stall.“ Und wie könnte Doktor Zion noch traurig sein, denn man sang ihm ja zu „Doktor Zion, freue dich!“ Der Autor Axel Hacke hat diese wunderbaren Geschichten gesammelt, in denen seine Leserinnen und Leser erzählen, was ihnen als Kind beim Liedersingen oft rätselhaft vorkam.
Kinder ersetzen, was sie hören und nicht verstehen durch das, was sie kennen. Als Kind haben die meisten von uns vermutlich beim Singen von Weihnachts- und Adventsliedern vieles nicht verstanden. Dennoch haben wir mit einem Ernst gesungen, als hätte das alles seine Richtigkeit. Manchmal entsteht eine Wahrheit schon in der Atmosphäre und der Fröhlichkeit im Gesang, Worte sind dann zweitrangig. Und so glaubten wir das Geheimnis, ohne es aufklären zu wollen. Inzwischen haben wir uns eingefunden in die Sprache der Advents- und Weihnachtslieder. Alle Jahre wieder singen wir die altbekannten Lieder, während sich von Jahr zu Jahr unser Leben ändert.
Wie sehr werden wir vermissen, in diesem Jahr im Weihnachtsgottesdienst in der Kirche
nicht gemeinsam und aus vollem Herzen „O du fröhliche“ singen zu dürfen. Es birgt zu
viele Risiken. Vieles hat in diesem Jahr gefehlt. Die Liste ist lang. Aber war es nur ein Jahr
des Verlustes? War es nicht auch ein Jahr voller Nächstenliebe, Nachbarschaftshilfe und
Rücksichtnahme?
Die Lieder bleiben. Wir hören sie im Radio, auf CD oder online. Von „Last Christmas“ bis „Jauchzet, frohlocket“ aus Bachs Weihnachtsoratorium – sie alle tragen unsere Erinnerungen und unsere Sehnsucht durch die Adventszeit bis zur Heiligen Nacht, in diesem Jahr ganz besonders. Sie erzählen von einer Welt der Hoffnung, in der große Sehnsüchte gestillt werden. Wir hoffen mit ihnen Jahr um Jahr, dass eine Zeit kommt, in der nichts mehr gleichgültig sein wird.
Ich träume davon, dass auf den Straßen viele Menschen (natürlich mit dem gebührenden Abstand) ihr liebstes Weihnachtslied laut und fröhlich singen. Auf allen Straßen erklingt es, vom brummelnden Bass bis zu den glockenhellen Stimmen der Kinder. Dieses Land singt von der Hoffnung, dass ER kommt.
Was für ein schönes Konzert!

Ihr
Ralf Meister, Landesbischof

(Foto: Maria Lara, Unsplash)


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