Konfirmation - Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde

Ev.-luth. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde
Hannover Badenstedt
Ev.-luth. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde
Hannover Badenstedt
Direkt zum Seiteninhalt
Konfirmation früher und heute

Erinnerungen zum goldenen Konfirmationsjubiläum

Das Foto zeigt mich als frisch gebackenen Konfirmanden am 18. April 1971 in meinem Kinderzimmer in Wilhelmshaven. Auf dem Bild an der Wand sieht man die (ursprünglich vorgesehene) Crew der Apollo 13, deren Flug zum Mond im Vorjahr dramatisch gescheitert war.
Weit mehr als für die Raumfahrt (oder gar den Konfirmandenunterricht!) interessierte ich mich damals allerdings für die Probleme unserer Umwelt. 1971 wurde der Begriff Umweltschutz in der Bevölkerung allgemein bekannt und fand über das erste deutsche Umweltprogramm Eingang in die Gesetzgebung.
Die Verschmutzung von Luft und Wasser machte mir damals große Sorgen und ich interessierte mich in diesem Zusammenhang sehr für Chemie. Daher lag u.a. auch das Buch „Chemie des Alltags“ auf meinem Gabentisch. Es steht noch heute in meinem Bücherregal und diente mir immer mal wieder als Nachschlagewerk.
Erinnerungen oder Unterlagen zu meinem Konfirmandenunterricht habe ich keine.
Aber meine Frau Ingrid, die am 10. Mai 1970 in der Paul-Gerhardt-Kirche in Badenstedt konfirmiert wurde, hat noch einen DIN-A5-Hefter mit allen Umdrucken und Aufzeichnungen dazu.
Darin finden sich statistische Angaben zur Gemeinde, die damals ca. 10.000 Mitglieder zählte. Im Jahre 1965 wurden 136 Kinder und zwei Erwachsene getauft, 106 Jungen und Mädchen konfirmiert, 47 Paare kirchlich getraut und 132 Erwachsene beerdigt.
Der Konfirmandenjahrgang meiner Frau umfasste 66 Jugendliche. Die Unterrichtsthemen waren die Entstehung und der Aufbau der Bibel, das Gebet, die verschiedenen christlichen Kirchen, die eigene Kirchengemeinde und der Stadtteil Badenstedt, der Gottesdienst, der Glaube und die Liebe.
Passend zur damaligen Zeit war auch ein Interview mit einem Astronauten dabei mit dem Titel „Gott ist auch im Weltraum“.
Im Gegensatz zu mir, der ich meine Heimatstadt gleich nach dem Abitur auf Dauer verlassen habe, ist meine Frau nach dem Studium und den ersten Berufsjahren wieder in ihre alte Heimat zurückgekehrt und hat deshalb auch immer noch Kontakt zur manchen ihrer Mitkonfirmanden und -konfirmandinnen, von denen einige auch noch oder wieder hier sind.
So hat sie bei der Feier der goldenen Konfirmation sicherlich die Möglichkeit, sich gemeinsam an die (guten?) alten Zeiten zu erinnern.

Ernst Kürsten
(Bild E.Kürsten)

+++

Wir hoffen darauf, dass wir in diesem Jahr wieder eine Jubiläumskonfirmation feiern können. Geplant haben wir das für den 1. Advent: 28. November 2021, 10 Uhr.
Wer in unserer oder einer anderen Gemeinde in den Jahren 1945, 1946, 1950, 1951, 1955, 1956, 1960, 1961, 1970 oder 1971 konfirmiert wurde und an der Jubiläumskonfirmation teilnehmen möchte, melde sich gerne im Gemeindebüro – wir schicken dann eine Einladung zu!


+++

Am Bildschirm dabei - Die Konfirmation meines Patenkindes

Immer wieder war sie verschoben worden: die Konfirmation meines Neffen und Patenkindes. Eigentlich hatte dieses große Ereignis in Fridolins Leben bereits im letzten Jahr stattfinden sollen, eben wie normalerweise in dem Jahr, in dem er vierzehn wurde. Welche weltumspannenden Komplikationen dann jedoch dazwischen kamen, brauche ich wohl nicht namentlich zu erwähnen. Es folgten immer neue Anläufe und Überlegungen, wann man die Feierlichkeit unter sicheren Bedingungen nachholen könne. Aus Herbst 2020 wurde schließlich Juli 2021, über ein Jahr später. Da war mein Neffe schon fünfzehn. Ewig konnte man mit dem Verschieben nicht weiter machen, denn die Jugend, diese Zeit der ersten Male, die Zeit des Ausprobierens und des allmählichen Übergangs in die Erwachsenenwelt, dauert nicht ewig, wie wir wissen – und sie kommt nicht wieder.
Umso schöner war es, als klar war: Fridolin konnte seine Konfirmation in Präsenz nachholen, mit echten Gästen aus Fleisch und Blut, die auch aus anderen Bundesländern anreisen durften. Beschränkungen in der Teilnehmerzahl gab es trotzdem, doch man wusste sich zu helfen, denn die Erfahrungen aus den beiden Lockdowns hatten uns alle den Nutzen der Online-Kommunikation gelehrt.
Dieser kam nun vor allem auch mir zugute, denn obwohl ich eine von Fridolins Patentanten war und gedurft hätte, sah ich mich nicht in der Lage, die Reise zu seiner Feier nach Baden-Württemberg anzutreten. Denn auch bei mir war die Zeit nicht stehengeblieben: Ich hatte in diesen 14 Monaten eine Schwangerschaft durchlebt und war nun seit ziemlich genau vier Wochen Mutter meines zweiten Sohnes. Eine so weite Reise mit einem kleinen Baby, das noch keinen richtigen Tagesrhythmus und dafür jede Menge Verdauungsprobleme hatte, kam leider nicht in Frage. Ich gab also meinem Mann und meinem großen Sohn meine Geschenke mit und blieb zuhause.
An der Konfirmation konnte ich dann aber trotzdem teilhaben, nicht nur, weil mein Mann mich ausgiebig mit Fotos und Videos von der Feier versorgte. Die Gäste grüßten mich fröhlich per Videotelefon, so dass ich fast das Gefühl hatte, dort zu sein. Auch konnte ich auf diesem Weg Zeugin von Fridolins Freude über mein Geschenk werden.
Nicht zuletzt aber konnte ich sogar den Gottesdienst miterleben, denn aufgrund der beschränkten Teilnehmerzahl hatte die dortige Kirchengemeinde einen Link zur Verfügung gestellt, unter dem man nicht nur den Gottesdienst per Livestream verfolgen, sondern ihn auch im Nachhinein als Aufzeichnung anschauen konnte. Ich probierte beides.
Im Vorabend der Konfirmation gab es einen Abendmahlgottesdienst für die Konfirmand*innen in der Kirche, bei dem auch zwei von ihnen getauft wurden. Ich hätte dieser Feier nicht beiwohnen können, wenn mir die persönliche Anwesenheit möglich gewesen wäre, denn mein Kleiner wurde mittendrin wach und sogleich auch ziemlich laut – in Präsenz hätte ich die Kirche verlassen, um die anderen nicht zu stören, hier vor dem Bildschirm konnte ich zumindest visuell weiterhin dabei sein, wenn auch das Audiosignal bisweilen durch Babygeschrei übertönt wurde. Die schöne Predigt des Pastors konnte ich dennoch mitverfolgen. Er sprach davon, dass Konfirmation bedeutet, in eine Gemeinschaft aufgenommen zu werden, und dass dieses Ereignis Anlass zu einer der ersten Feiern im Leben der Konfirmand*innen sei, bei denen sie im Mittelpunkt standen.
Zwei Konfirmand*innenjahrgänge hätten sich entschieden, zu warten, bis sie dieses Ereignis in Präsenz hatten abhalten können. Es habe sich gelohnt, zu warten, denn nun könne auch „der Onkel aus Hamburg“ (oder Hannover, fügte ich in Gedanken hinzu) extra anreisen und dabei sein. Das sei auch ein Ausdruck von Gemeinschaft, denn man könne sich endlich wieder einmal sehen, in echt, und das sei doch etwas sehr Verbindendes. Ja, ich wäre auch lieber persönlich dabei gewesen, aber es vorm Bildschirm mitzuerleben, war besser als nichts.
Am nächsten Tag passte es mir zeitlich nicht, den eigentlichen Konfirmationsgottesdienst live im Internet mit zu verfolgen. Doch die Aufzeichnung stand ja zur Verfügung, und so schaute ich diese in Etappen an, so dass ich mich nicht über die Unterbrechungen durch meinen kleinen hungrigen Sohn ärgern musste.
Der Konfirmationsgottesdienst fand draußen statt, in einer sonnigen Kulisse auf einer Wiese neben dem Kirchengebäude. Zeitweise konnte ich ausblenden, dass ich nicht wirklich anwesend war. Am ehesten merkte ich es, wenn plötzlich der Ton ausfiel, sobald von einem Mikrofon auf ein anderes gewechselt wurde. Abgesehen von diesen technischen Aussetzern konnte ich aber die Worte des Pastors perfekt verstehen und kam sogar in den Genuss von Untertiteln bei den musikalischen Darbietungen von Singkreis und Musikgruppe. Auf der anderen Seite entschieden auf diese Weise natürlich die für Bild und Ton zuständigen Personen darüber, wohin mein Blick fiel (von den Familienangehörigen im „Publikum“ sah ich so gut wie nichts) oder was ich hörte (kein Geflüster von Sitznachbarn, aber auch weniger Atmosphäre des gesamten Drumherum). Doch wenn ich mal einen Konfirmationsspruch oder eines der persönlichen Bekenntnisse, die jeder der Jugendlichen mal mehr, mal weniger schüchtern in ein Mikrofon sprach, verpasst hatte, konnte ich einfach die Szene wiederholen. Das wiederum war live natürlich nicht möglich.
Ja, es war eine schöne Feier. Gern wäre ich live und in Farbe, in Präsenz, in Fleisch und Blut dabei gewesen. Aber immerhin hatte ich nicht das Gefühl, nur aus Erzählungen schöpfen zu müssen. Dank der virtuellen Möglichkeiten konnte ich mir mein eigenes Bild machen und das war doch allemal besser, als gar nicht dabei zu sein.
Wer aber sowieso dabei war, wenn auch nicht sichtbar, war Gott, wie es in Fridolins Konfirmationsspruch heißt: „Freuen dürfen sich alle, die mich nicht sehen und mir trotzdem vertrauen.“ (Joh. 20, 29)
Britta Füllgrabe
(Bild:Füllgrabe)

+++

Zurück zum Seiteninhalt