Auf ein Wort! - Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde

Ev.-luth. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde
Hannover Badenstedt
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Auf ein Wort!

„Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu
Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort
nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ (Micha 4,3)

Schwerter zu Pflugscharen. So beschreibt der Prophet Micha das endzeitliche Friedensreich. Ein Bild der Einheit, des Friedens. Land bestellen, statt annektieren. Wer die 80er Jahre erlebt hat, hat bei diesem Vers sofort das Motiv der Friedensbewegung der DDR vor Augen. Es zeigt eine Skulptur, die ein sowjetischer Künstler zu diesem Vers für die UNO angefertigt hat. Damals ein Bekenntnis der Sowjetunion zur UN-Charta. Ihr erster Satz: „Die Vereinten Nationen setzen sich folgende Ziele:
1. den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren […], Angriffshandlungen und andere Friedensbrüche zu unterdrücken und internationale Streitigkeiten oder Situationen, die zu einem Friedensbruch führen könnten, durch friedliche Mittel […] zu bereinigen oder beizulegen.“
Statt abzurüsten wird nun aufgerüstet. Nicht nur dort, sondern hier, bei uns. Wir machen Pflugscharen zu Schwertern. Auch ein biblisches Bild. Ein anderer Prophet: Joel. Er legt Gott den Befehl in den Mund: „Macht aus euren Pflugscharen Schwerter und aus euren Sicheln Spieße!“ Gott spricht allerdings nicht mit den „Guten“. Es ist nicht sein Volk, sondern es sind die Feinde, die aufrüsten - und mit ihren selbst geschmiedeten Waffen letztlich ins eigene Verderben rennen.
In der Friedensbewegung der DDR wurden nicht Waffen geschmiedet, sondern Aufnäher gedruckt. Und als sie verboten wurden, standen ausgeschnittene Aufnäher auf der Kleidung für dieselbe Botschaft.
Der Angriffskrieg gegen die Ukraine stellt uns vor Herausforderungen, die nicht mit der DDR vergleichbar sind und uns in ein Dilemma bringen: Wie geht man mit denen um, die sich nicht um internationale Vereinbarungen scheren? Die wortbrüchig sind? Kann den Gewalttätigen nur mit Gewalt begegnet werden? Alle diese Fragen konzentrieren sich gerade in der einen: Waffenlieferungen, ja oder nein?
Und in der Frage schwingt leise die Klage, dass wir in der Zwangslage sind, uns mitschuldig zu machen, dass dieser Konflikt uns zu Waffenschmieden macht. Doch zu Urecht – das waren wir vorher schon.Es ist genau andersherum: Weil wir zu den größten Waffenschmieden dieser Welt gehören, kommen wir überhaupt als Lieferanten in Frage. Das ist unsere Schuld.
Die Ereignisse in der DDR lassen begründet hoffen, dass es auch andere Wege zum Frieden geben kann. Die Skulptur auf dem Logo der Friedensbewegung – einst war sie ein Bekenntnis zum Frieden ohne Waffen. Nun ist aus ihr eine Mahnung
geworden. Eine Erinnerung an die eigenen Verpflichtungen und Bekenntnisse. Vielleicht sollte sie wieder lauter zu Wort kommen.
In New York steht sie sicher schon ganz gut – nur bräuchten wir noch ein paar mehr davon: Vorm Kreml auf jeden Fall. Und Berlin wäre bestimmt auch ein guter Ort dafür.

Pastor Johannes Rebsch
Bild:Johannes Rebsch


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