100 Jahre Paul-Gerhardt-Gemeinde

Im Oktober 2026 können wir das hundertjährige Bestehen unserer Kirchengemeinde feiern.
Zum 75. Jubiläum 2001 ist eine „Gemeindechronik“ verfasst worden. Sie beinhaltete viele historische Quellen und einen Überblick über das Gemeindeleben Ende des 20. Jahrhunderts.
Diese Chronik wurde in einer Auflage von 500 Stück gedruckt und an Interessierte verteilt. Leider ist sie inzwischen vergriffen, aber bestimmt noch in vielen Haushalten in Badenstedt vorhanden. Die Neuauflage einer Chronik ist nicht geplant. Daher habe ich mich in Absprache mit dem Kirchenvorstand bereiterklärt, in den Gemeindebriefen bis zum Jubiläum im Oktober 2026 Auszüge aus der Chronik zu veröffentlichen, ohne die dort angegebenen Quellenangaben immer mit aufzunehmen - siehe unten.
Ingrid Kürsten
Unser Jubiläumsprogramm
Im Namen des Kirchenvorstandes laden wir Sie herzlich ein!
HISTORISCHES MUSEUM - GESCHICHTE UNTERWEGS - 20 AUS DEN 20ERN
Montag, 17.08. 17 Uhr, in der Kirche (Gemeindesaal) der Paul-Gerhardt-Gemeinde
Gezeigt werden Fotos von zwanzig Objekten aus der Sammlung des zurzeit geschlossenen Historischen Museums, die prägende Ereignisse und Entwicklungen der 1920er beleuchten. Herr Huntebrinker wird dazu erläutern, wie sich zwischen
Gezeigt werden Fotos von zwanzig Objekten aus der Sammlung des zurzeit geschlossenen Historischen Museums, die prägende Ereignisse und Entwicklungen der 1920er beleuchten. Herr Huntebrinker wird dazu erläutern, wie sich zwischenWeltwirtschaftskrise und den „Goldenen Zwanzigern“ eine dynamische und thematisch reichhaltige Dekade entspann, in der sich auch in Hannover viel bewegte. Freuen Sie sich auf Typisches, Ungewöhnliches und auch vielleicht Unerwartetes!
Dieser Vortrag ist ein guter Einstieg in die Gründungszeit unserer Kirchengemeinde und des Baus des Pfarrhauses mit Gemeindesaal vor 100 Jahren in den 1920ern.
Ingrid Kürsten
+++
13.09. - 04.10. AUSSTELLUNG IM RAHMEN DES 100-JÄHRIGEN BESTEHENS DER PAUL-GERHARDT-GEMEINDE
Eröffnung am 13.09. nach den Gottesdienst um 10:30 Uhr in der Kirche (Gemeindesaal) der Paul-Gerhardt-Gemeinde
Wie schon zum 75-jährigen Jubiläum soll es eine Ausstellung über die Geschichte und persönliche Ereignisse im Zusammenhang mit der Kirchengemeinde geben.
Gezeigt wird ein Teil der Dokumente, die schon 2001 präsentiert wurden. Der Schwerpunkt liegt aber auf Fotos aus den letzten 25 Jahren, die die Entwicklung und das rege Gemeindeleben in der Kirchengemeinde abbilden.
Die Ausstellung soll am 13. September nach dem Gottesdienst um 11.30 Uhr eröffnet werden. Bis zum 4. Oktober 2026 wird sie in der Kirchengemeinde zu sehen sein und im Anschluss möglichst auch in der Stadtteilbibliothek gezeigt werden.
Ingrid Kürsten
+++
Orgel meets SaxophoneSonntag, 13.09. 17 Uhr, in der Kirche (Gemeindesaal) der Paul-Gerhardt-Gemeinde
Axel LaDeur an der Orgel und der Saxophonist Thomas Zander nehmen uns mit auf die Reise durch die Welt der klassischen Musik.
+++
ERZÄHLCAFÉ
Donnerstag, 24.09. 15 - 17 Uhr, im Gemeindehaus der Paul-Gerhardt-Gemeinde
Viele Gemeindemitglieder leben schon sehr lange in Badenstedt und verbinden viele Erinnerungen mit der Kirchengemeinde. Welche Pastoren, Diakone und Diakoninnen haben hier gewirkt? Wer waren noch die Vikarinnen und Vikare, die Neues in die Gemeinde gebracht haben? Welche Gruppen gab es, die nun nicht mehr da sind? Wie verliefen der Konfirmandenunterricht und die Konfirmation früher? Wer kann sich noch an die Jugendgruppen, den Kirchenchor, den Frauentreff, die Kreativgruppen und vieles mehr erinnern? Welche Freizeiten und Fahrten wurden angeboten?
Mit dem Erzählcaféwollen wir Ihnen die Möglichkeit geben, sich auszutauschen und in Erinnerungen zu schwelgen. Neuere oder jüngere Gemeindemitglieder haben die Gelegenheit, vieles zu erfahren, was sie bisher nicht wussten. Das Erzählcafé wird moderiert und es werden Aufzeichnungen gemacht, um alles für die Zukunft festzuhalten.
Ingrid Kürsten
+++
JUBILÄUMSWOCHE
Sonntag 27.09. bis Sonntag 04.10.
In der Jubiläumswoche werden verschiedene Veranstaltungen stattfinden: am Dienstag der Historische Rundgang durch Badenstedt, am Mittwoch das Treffen mit den „Persönlichkeiten der Gemeinde“ im Gemeindehaus, am Freitag das „Lulu White Salon Orchestra“ in der Kirche und am Sonntag der Festgottesdienst mit Landesbischof
Ralf Meister (weitere Details dazu in den folgenden Programmpunkten).
In dieser Woche planen wir den Holzpavillon aufzustellen, der in vergangenen Zeiten als Würstchenstand beim Tannenbaumverkauf oder auch beim Kirchentag
2005 seine Dienste tat.
An jedem Tag in dieser Woche wollen wir eine Aktivität im Pavillon anbieten, für Kleine und Große, etwas zum Mitmachen und Ausprobieren, als Treffpunkt bei Kaffee, Tee und Kuchen, bei einem (alkoholfreien) Bierchen nach Feierabend.
Lassen Sie sich überraschen! Wenn Sie auch eine Idee für ein Angebot haben, sprechen Sie uns gerne an.
Marianne Petsch
+++
AUF ZEITREISE DURCH DIE KIRCHENGESCHICHTE BADENSTEDTS
Dienstag, 29.09. 17 Uhr, Treffpunkt am Gemeindehaus der Paul-Gerhardt-Gemeinde
Bei einem kleinen Rundgang wollen wir die Kapellen- und Kirchengeschichte Badenstedts ein wenig beleuchten. Zunächst schauen wir unseren Kirchensaal etwas näher an. Geplant war er in den 1920er Jahren als Pfarrhaus mit Gemeindesaal. Das ursprünglich vorgesehene große Kirchengebäude wurde angesichts der wirtschaftlichen Umstände nie gebaut.Danach begeben wir uns zum Kapellenbrink, der ca. 300 m vom Kirchengrundstück entfernt liegt. Dort stand bis Ende der 1920er Jahre die alte Kapelle aus dem Jahre 1787. Der Grundriss betrug 7,21 x 6,95 m. Ungefähr 40 Personen passten in die Kapelle.
Unser nächster Weg führt in die Diesterwegstraße. Der Magistrat der Stadt Linden hatte hier 1912 eine Bürgerschule errichtet. In der Aula der Schule (heute IGS) fanden bis 1926 regelmäßig die sonntäglichen Gottesdienste statt.
Als letztes geht es in die Badenstedter Straße. Am Denkmal befand sich früher das Gasthaus „Haller“. Dort hat am 17. Oktober 1926 nach dem Festgottesdienst im früheren Gemeindesaal ein Kaffeetrinken mit den Gemeindemitgliedern stattgefunden.
Heute ist hier die Gaststätte „Zur Eiche“. Dort werden wir unseren ca. einstündigen Rundgang ausklingen lassen.
Detlef Petsch
+++
PERSÖNLICHKEITEN DER GEMEINDE BERICHTEN: ERZÄHLUNGEN AUS DEN TAGEBÜCHERN DER EHEMALIGEN PASTOREN UND EINER GEMEINDESCHWESTER
Mittwoch, 30.09. 17-18:30 Uhr, Gemeindehaus der Paul-Gerhardt-Gemeinde
Am 1. Oktober 1926 wurde der bisherige Pfarrbezirk Badenstedt zusammen mit der Kapellengemeinde Bornum aus dem Bereich der St. Martinskirchengemeinde ausgepfarrt und zu einer selbständigen Kirchengemeinde Badenstedt erhoben. Im Vorfeld waren bereits Verhandlungen zur Errichtung eines neuen Kirchengebäudes geführt worden, als erster Schritt wurde 1925 zunächst mit dem Bau des Pfarrhauses mit Gemeindesaal an der Eichenfeldstraße begonnen. Die Einweihung des Gemeindesaals, der als gottesdienstlicher Raum genutzt wurde, fand am 17. Oktober 1926 statt. Pastor Mirow, der erste Geistliche der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde, hielt den ersten Gottesdienst.
Er und seine Nachfolger im Amt, die Pastoren Reich, Krapat und Bode, sowie die Gemeindeschwester Luise Utermöhlen, haben in ihren Tagebüchern zahlreiche Begebenheiten festgehalten, die uns mitnehmen in die Entwicklung der Kirchengemeinde in ihren ersten 50 Jahren. Warum wurde das eigentliche Kirchengebäude trotz einer stetig steigenden Gemeindemitgliederzahl nie gebaut?
Wie hat die Gemeinde die Zeit des Nationalsozialismus und den Krieg bewältigt?
Wer war Pastor Heinz Wetenkamp, der in viel zu jungen Jahren aus dem Leben schied?
Warum konnte sich die Gemeinde nach dem Krieg ein neues Geläut aus Bronzeglocken leisten, und nicht wie ursprünglich geplant aus Stahl?
Die Antworten auf diese Fragen und viele weitere Details sollen im Rahmen der Erzählungen aus den Tagebüchern zur Sprache kommen. Und, wer weiß, vielleicht werden auch aus dem Kreis der Teilnehmenden weitere interessante Einzelheiten und Erinnerungen beigetragen. Wir dürfen gespannt sein.
Thorsten Frenzel-Früh
+++
SWING DURCH DIE 1920ER - TANZVERANSTALTUNG
Freitag, 02.10. 17 Uhr, Treffpunkt am Gemeindehaus der Paul-Gerhardt-Gemeinde
Was verbindet Hannover-Badenstedt und New Orleans in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts? In Hannover Badenstedt wird 1926 die Paul-Gerhardt Gemeinde gegründet, in New Orleans lebt das Nachtleben im „Lulu White“ vom Jazz mit so bekannten Künstlern wir z.B. Louis Armstrong.So kommen Kirche und Jazz zusammen – das „Lulu White Salon Orchestra“ entführt Sie zusammen mit seiner charmanten Sängerin mit dem Jazz der 1920er Jahre in diese bewegende Zeit. Der Kirchraum wird an diesem Abend zur Bühne für das Ensemble und für uns als Gemeinde zu einem der Höhepunkte des Jubiläums.
Tanzen Sie mit! Feiern Sie mit!
Marianne Petsch
+++
Festgottesdienst zum 100-jährigen Jubiläum der Paul-Gerhardt Gemeinde
Sonntag, 4.10. 15 Uhr, Paul-Gerhardt-Kirche Badenstedt
Seit 100 Jahren ist die Paul-Gerhardt-Gemeinde ein Ort des Glaubens, der Hoffnung und der Gemeinschaft. Ein Ort voller Erinnerungen, Begegnungen und gelebter Herzlichkeit.
Dieses Jubiläum möchten wir gerne mit Ihnen feiern.
Predigt: Bischof Ralf Meister
Musik: Axel LaDeur, JuKoBa
Im Anschluss an den Gottesdienst freuen wir uns auf Begegnungen und Gespräche bei einem gemeinsamen Empfang.
+++
Auszug aus der Gemeindechronik Teil 1
Der erste Teil umfasst den historischen Rückblick bis zur Verselbstständigung am 1. Oktober 1926.
Wer heute zur St. Martinskirche nach Linden wandert, kann auf ihrem Grundstein die Jahreszahlen 1285 – 1728 – 1956 lesen. Während die letzte Jahreszahl auf den Wiederaufbau der von Bomben im 2. Weltkrieg zerstörten Kirche hinweist, betreffen die beiden anderen Jahreszahlen auch die kirchliche Geschichte Badenstedts, da Badenstedt bis 1926 eng mit der St. Martin-Kirchengemeinde zu Linden verbunden war. Nach den ältesten Urkunden ist 1285 das Pfarramt zu Linden errichtet worden. Höchstwahrscheinlich war in Linden schon zu diesem Zeitpunkt eine Kapelle vorhanden. Ebenso wahrscheinlich ist, dass die Ansiedlungen Ricklingen, Badenstedt und Bornum von Anfang an zu dem Kirchspiel Linden gehört haben. Allerdings taucht der Name Badenstedt erst in Urkunden aus dem 14. Jahrhundert auf.
Es ist davon auszugehen, dass nach der Reformation die Bewohner Badenstedts außer am Tage Simon et Judae (28. Oktober), später am Hagelfeiertag (1. Mai) und am Erntedanktag den beschwerlichen Weg in die Kirche zu Linden gegangen sind. Diese war in vier Quartiere eingeteilt, dem Lindener, Ricklinger, Badenstedter und Bornumer. In ihm hatte jeder seinen ihm zustehenden Platz. Die Vollmeier, Meier, Köthner und Beibauern saßen für sich.
Außerdem waren Männer und Frauen getrennt. Nach dem dreißigjährigen Krieg 1618–1648, wird aus Amtsrechnungen sichtbar, dass es zwischen den einzelnen Dörfern und wohl auch den einzelnen Ständen manchen Streit um die Plätze in der Kirche gab. Die Streitenden wurden mit empfindlich hohen Strafgeldern belegt.
1728 ist das zweite Datum auf dem Grundstein der St. Martinskirche. In diesem Jahr wurde die alte Lindener Kirche abgerissen und durch einen Barockbau ersetzt.
Hierzu mussten die Bauern der Kirchengemeinde Hand- und Spanndienste leisten.
Die erste Nachricht von einer Kapelle in Badenstedt findet sich in der Bestallung eines Lindener Pastoren von 1663. In ihr wird erwähnt, dass der Pastor an jedem 28. Oktober (Tag der Apostel Simon et Juda) in der Kapelle Gottesdienst zu halten habe. Die Badenstedter mussten ihm einen Wagen stellen und eine „Altar“-Gebühr von zehn oder zwölf Groschen entrichten.
Trotz der Armut der Gemeinde war man bemüht, die Kapelle in einem einigermaßen guten Zustand zu erhalten. Während vieles im Laufe der Zeit abhanden gekommen ist, werden bis heute die erwachsenen und jungen Glieder unserer Gemeinde aus dem Taubbecken getauft, das von Valentin Lampe und Margareta Hermanns 1696 gestiftet worden ist. 1717 musste die geborstene Glocke umgegossen werden. Sie trägt die Inschrift: „Bahnstedter Gemeinde. Ernst Thiele. M. Thomas Rideweg gos mich in Hannover anno 1717.“ Thomas Rideweg ist in jener Zeit ein bekannter Geschütz- und Glockengießer gewesen.
Über Ernst Thiele ist nichts bekannt. Diese Glocke hat das spätere Schicksal der alten Kapelle nicht geteilt. Sie ist erhalten geblieben und hat ihren Platz in dem Dachreiter des Gemeindehauses Eichenfeldstr. 10.
Die um 1666 erwähnte Kapelle muss irgendwie baufällig geworden sein. Sie wurde abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, der bis zum Jahre 1926 am Kapellenweg stand.
Diese hatte wie die alte ebenfalls einen rechteckigen Grundriss und war 7,21 m lang und 6,95 m breit. Der Eingang war an der Westseite. Die Füllungen des Fachwerkbaues waren geputzt. Die Gottesdienste in dieser Kapelle hörten erst auf, als 1912 die Gottesdienste in der Aula der 1909 neu erbauten Diesterwegschule (heute IGS Badenstedt) begannen; denn für die wachsende Zahl der Gemeindemitglieder erwies sich die Kapelle als zu klein.
Am 1. April 1909 war das Dorf Badenstedt mit seinen damals 2099 Einwohnern ein Teil der Stadt Linden geworden. Nachder Eingemeindung nahm der Wunsch zu, eine eigenständige Kirchengemeinde zu gründen. 1912 wurde Badenstedt Kollaboraturbezirk der Martinsgemeinde und erhielt damit einen eigenen Hilfsgeistlichen. Einen Aufschub in der weiteren Entwicklung brachte der 1. Weltkrieg, der wie auch die Nachkriegszeit alle Pläne zunichte werden ließ. Erst nach der Inflation konnte an eine Verselbständigung gedacht werden. Am 1. Januar 1920 war Linden inzwischen mit der Stadt Hannover vereint worden und Badenstedt damit ein Stadtteil von Hannover. 1922 wurden dann erste Verhandlungen für der Verselbstständigung aufgenommen. Zum 1. Oktober 1926 wurde der bisherige Pfarrbezirk Badenstedt mit der Kapellengemeinde Bornum aus dem Bereich der St. Martinskirchen-gemeinde ausgepfarrt und zu einer selbständigen Kirchengemeinde Badenstedt erhoben. Anlässlich
des 250. Todestages Paul Gerhardts im Jahr 1926 erhielt die neugegründete Gemeinde den Namen „Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Badenstedt“.
Ingrid Kürsten
Auszug aus der Gemeindechronik Teil 2
Der Auszug aus der Gemeindechronik Teil 2 umfasst die Zeit von der Verselbstständigung am 1. Oktober 1926 bis zum Jahr 1947. Ingrid Kürsten
Gleichzeitig mit den Verhandlungen um die Verselbständigung der Kapellengemeinde wurden auch Verhandlungen wegen Errichtung eines Kirchgebäudes geführt, die bereits 1925 zum Baubeginn des Pfarrhauses mit Gemeindesaal führten. Am 21. November 1925 konnte der Neubau gerichtet werden. Die Einweihung des Gemeindesaales, der nunmehr als gottesdienstlicher Raum in Gebrauch genommen wurde, fand am 17. Oktober 1926 statt. Pastor Mirow, der erste Geistliche der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde, hielt nach dem vorangegangenen Weihegebet und Einweihungsrede des Generalsuperintendenten D. Süßmann den ersten Gottesdienst.
In der Beilage des Hannoverschen Kuriers vom 17. November 1926 habe ich nach Internetrecherche folgenden Bericht über die Einweihung gefunden:
Beilage des Hannoverschen Kuriers vom 17. November 1926
Das neue Pfarrhaus und der Gemeindesaal an der Eichenfeldstr. wurden kürzlich eingeweiht. Unser Bild zeigt die demnächstige Baugruppe mit der Kirche. Das Pfarrhaus enthält die Amtszimmer für die Pfarre und die Küsterwohnung im Erdgeschoß, die Wohnung für den Pastor im Obergeschoß und die Wohnung für die Gemeindeschwester im Dachgeschoß. In Verbindung mit dem Erdgeschoß steht die geräumige Saalgarderobe, durch die große Schiebetür verbunden mit dem Konirmandensaal. Dieser steht wiederum in Verbindung mit dem anschließenden Gemeindesaal. Die Trennung dieser beiden Räume erfolgt durch Rolljalousien. An großen Feiertagen sind daher alle drei Räume gemeinsam zu benutzen, eine äußerst geschickte Lösung. Die Räume haben außerdem zwei Zugänge von außen. Dem Saal vorgelagert ist ein Laubengang (Sterngewölbe), welcher nach Fertigstellung der Kirche ermöglicht, dass man trockenen Fußes vom Haus zur Kirche gelangen kann. Die Gesamtbaugruppe wird nach Fertigstellung der Kirche ein interessantes Städtebild ergeben, besonders wenn der große Platz der Gesamtanlage als Schmuckplatz ausgebildet ist. Eine Ausdehnung der Bautätigkeit nach dieser freien und gesunden Wohnlage ist auch mit Sicherheit zu erwarten. Die Bauausführung erfolgt nach dem Entwurf des Architekten B.D.A.C. Arend.

Foto der geplanten Gesamtanlage in der Zeitung
Als Hilfsgeistlicher kam Pastor Helmut Reich, Jahrgang 1913, und schwerkriegsbeschädigt (Amputation des linken Beines in Rußland) im Oktober 1943 nach Badenstedt. 1948 verließ er Badenstedt sehr plötzlich, um das Wichernstift in dem Jugenddorf Adelheide zu leiten.
Auszüge aus seinen persönlichen Erinnerungen:
„In der Stadt waren die ersten schweren, großflächigen Angriffe über Hannover niedergegangen. So war auch ein junger Pastor in der Apostelkirche ‘überflüssig’ geworden, weite Flächenbrände hatten die Gemeinde so sehr entvölkert, daß dort ein Pastor ausreichte.
Meine Frau war noch nie in Badenstedt gewesen; so fragte sie in der Straßenbahn eine junge Frau, wo sie denn aussteigen müsse, um zur Paul-Gerhardt-Kirche zu kom-
men. Die Antwort war verblüffend; die Frau versicherte, sie wohne seit 15 Jahren in Badenstedt und wisse ganz genau, daß es dort keine Kirche gebe. Auch der Hinweis
meiner Frau, ihr Mann sei der neue Pastor an dieser Kirche, konnte ihre Gesprächspartnerin nicht überzeugen.
Die Gottesdienste waren mehr und mehr der Mittel- und Höhepunkt des Gemeindelebens, auch deswegen, weil die Partei jede kirchliche Aktivität außerhalb der Kirchenmauern verbot. Der Besuch stieg ständig ‒ die Kriegsereignisse, das Zuschlagen des Todes in immer mehr Familien, die wachsende ständige Bedrohung an Leib und Leben, an Hab und Gut waren wohl die Hauptursache dafür, daß immer mehr Gottes Tröstung suchten.
Stand ich am Altar oder auf der Kanzel und der Ortpolizeigewaltige Herr Dettmering erschien hinten im Gemeindesaal mit seinem Stahlhelm, dann wußte ich:
Vorwarnung! Es sind feindliche Flieger im Anflug! Den Gottesdienst schleunigst beenden! Wie oft wohl hat dieser Mann, dessen schwieriger Dienst ihm nach Kriegsende nicht von allen gedankt wurde, die Gemeinde vor einer panikartigen Flucht bewahrt!
Nach dem Krieg im Winter 1945/46 war da die große Gemeinschaftsleistung des damaligen Kirchenvorstandes, die Ausmalung des Gemeindesaales. An sich sollten wir schon vor dem Kriege eine Kirche haben. Und auch wegen dieses Zieles kümmerten sich die Kirchenvorstände nicht allzu viel darum, dem Gemeindesaal eine Gestalt zu geben, die
dem Gottesdienst angemessen gewesen wäre. Es war kein richtiger Altar da, mehr ein Lesepult als eine Kanzel, kein Taufstein und nur die nötigsten Paramente.
Wir fragten uns aber auch, ob wir angesichts der großen Not um uns herum Geld für die Renovierungsarbeiten ausgeben dürften. Der uns beratende Künstler, Studienrat Heinrichsen, sprach in einer Sitzung das klärende Wort: Einen schönen, festlichen Raum braucht jeder Mensch; sonst wird er krank. In unseren Häusern ist es oft eng, ungemütlich, wegen der Kriegsschäden unbehaglich; umso mehr muß die Gemeinde für einen Ausgleich sorgen.
Wir wollten damals Paul Gerhardt, dem Sänger unserer Kirche, im Schmuck des Saales gedenken und kamen zu der Lösung, rechts und links von der Altarnische einen Fries musizierender Engel auf die Wand zu malen. Der ist längst übermalt, wie das mit solchen Wandbildern geht. Über der Kanzel fand ein Paar singender Engel seinen Platz, und ich sollte nun entscheiden, welch ein Wort auf das Notenbuch geschrieben werden könne, das die beiden in der Hand hielten. Ich wählte die Choralzeile: ‘Gott loben, das
ist unser Amt.’ Dieses Wort beschreibt den Auftrag des Christen in der Welt, es ist aber auch zugleich das Losungswort, das ich mir für meine Lebensarbeit gewählt habe.“

Altarnische 1946 mit Engeln nach Renovierung
Auszug aus der Gemeindechronik Teil 3
Der Auszug aus der Gemeindechronik Teil 3 umfasst die fünfziger Jahre bis zum Jahr 1972. Ingrid Kürsten
Der Plan, den „Gemeindesaal“ durch einen Kirchenbau zu ergänzen, war in der Notzeit nach dem Kriege natürlich nicht zu verwirklichen. Es galt zunächst, die zerstörten Kirchen wieder aufzubauen, bzw. Notkirchen zu errichten, wie z.B. in Oberricklingen (1945) und Ahlem (1950).
Zumindest konnte sich die Gemeinde den Wunsch nach „richtigen“ Kirchglocken erfüllen. Als Geläut hatte zunächst nur das Glöckchen von 40 cm Durchmesser im Dachreiter gedient, das von der abgerissenen Kapelle übriggeblieben war. Ein Spendenaufruf an die Gemeinde zur Beschaffung eines Geläuts wurde so erfreulich gut aufgenommen, daß der Kirchenvorstand sich sogar anstatt der zunächst vorgesehenen Stahlglocken für Bronzeglocken entscheiden und auch die Errichtung eines provisorischen
Glockenträgers in Auftrag geben konnte. Am 3. Juli 1959 erfolgte der Glockenguß in Heidelberg, am 12. September 1959 wurden die drei Glocken von der Gemeindegrenze in Körtingsdorf zum Kirchengrundstück unter großer Anteilnahme der Gemeinde eingeholt. Am 27. September 1959 fand die Glockenweihe statt.
Glockenträgers in Auftrag geben konnte. Am 3. Juli 1959 erfolgte der Glockenguß in Heidelberg, am 12. September 1959 wurden die drei Glocken von der Gemeindegrenze in Körtingsdorf zum Kirchengrundstück unter großer Anteilnahme der Gemeinde eingeholt. Am 27. September 1959 fand die Glockenweihe statt.Seitdem hat die Gemeinde ein wohlklingendes Geläut, das 1966 anläßlich des 40jährigen Gemeindejubiläums noch um eine große Glocke vervollständigt wurde.
Die Jugendarbeit war seit den fünfziger Jahren ein Schwerpunkt der Gemeindearbeit. Sie mußte zunächst zusammen mit allen anderen Gemeindeaktivitäten in dem kleinen, durch eine Rollwand abtrennbaren Gemeinderaum am Kirchsaal stattfinden. Dank des Engagements von Pastor Wernicke und unter erheblicher Eigenarbeit der jugendlichen konnte ein eigenes Jugendheim gebaut und finanziert werden. Es wurde am 14. Oktober 1955 eingeweiht (s. Foto S. 5). Der Anbau an das bereits 1955 errichtete Jugendheim mit Konfirmandenraum, Gemeindebüro und zwei Amtsträgerwohnungen konnte im August 1963 bereits bezogen werden. Dadurch konnten die Arbeitsbedingungen für die Gemeinde wesentlich verbessert werden.
Das Pfarrhaus in der Mattfeldstraße war im Mai 1964 bezugsfertig. Immerhin war schon 1946 eine zweite Pfarrstelle in der Gemeinde errichtet worden. Durch die Einsetzung der Bebauung des Mühlenberges und der damit verbundenen Versorgung der Neuzugezogenen veranlaßte die Kirchenbehörde, eine weitere Pfarrstelle zum 1. Januar 1968 zu errichten, die später auf die verselbständigte Petrus- und-Paulus-Kirchengemeinde Hannover-Bornum übertragen wurde.
Am 1. August 1972 bezog die Gemeinde den Neubau Körtingsdorf 35. Die angemieteten Räume waren zunächst ausschließlich für Jugendarbeit vorgesehen, womit speziell in Körtingsdorf eine Lücke geschlossen wurde.
Kindertagesstätte
Im Sommer 1945 erteilte das Städtische Sozialamt - Jugendamt - sein Einverständnis gegenüber dem Kirchenvorstand der Paul-Gerhardt-Gemeinde, dass die Gemeinde den bisherigen Kindergarten der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) in Badenstedt, Kapellenweg 8, zum Betrieb eines Kindergartens mit dem vorhandenen Inventar übernehmen könne. Die Genehmigung der Militärregierung musste eingeholt werden und Verhandlungen mit dem Eigentümer des Kindergartengebäudes, Bauer Dodt, über die Benutzungsgebühren waren nötig. Der Kindergarten hatte zwei größere Räume und einen kleineren, einen Waschraum, eine Toilette auf dem Hof und einen Spielplatz mit Sandkasten gleich am Haus.
Pastor Reich plante, den Kindergarten mit 50 Kindern vollbesetzt zu eröffnen, bat den Evangelischen Landesverband für Kinderpflege um Beantragung der Milchzuteilung und fragte, wann und wo die Marken in Empfang genommen werden können. Im November 1945 waren es bereits 70 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren. Zum Kochen fehlten vor allem Töpfe und ohne Fettzuteilung schien es auch nicht möglich. Vorgeschlagen wurde von Pastor Reich wegen des hohen Bedarfs, 70 Halbtags-, 25 Ganztags- und 10 Hort-„Stellen“ einzurichten. 1946 erhielt die Paul-Gerhardt-Gemeinde vom Landesjugendamt die Genehmigung zur Führung des Dauer-Kindergartens Kapellenweg 8.Die Eltern hatten einen monatlichen Pflegesatz zu zahlen, für den Vormittagsbetrieb 4,00 Mark (zwei Kinder 6,50 Mark), Nachmittagsbetrieb 2,50 Mark, Hort 3,50 Mark. Als Beköstigung erhielten die Kinder Schweizer Trockenmilch, die Zuteilung des Ernährungsamtes in Form von Suppen, Brei und Pudding, wobei die Eltern die fehlenden Nährmittel beisteuern mussten. Die Haltung des niedrigen Beitragsatzes war nur möglich gewesen, weil namhafte Beihilfen von behördlicher und kirchlicher Seite gezahlt wurden. Im September 1948 gab es 80 Plätze für Kleinkinder und 10 Plätze für Hortkinder. Laut Monatsbericht wurden vormittags 60 und nachmittags 23 Kinder sowie 8 Hortkinder von einer Kindergärtnerin, zwei Kinderpflegerinnen und einer Helferin betreut. Es erhielten 15 Kinder Mittagskost. Die monatlichen Pflegesätze waren gestiegen und betrugen für Halbtagsbetreuung 6 DM, Ganztagsbetreuung 10 DM, Hort 5 DM, Mittagskost 1 DM, hinzu kamen 0,50 DM Milchgeld.
26 Jahre lang wurden dort in dem alten Bauernhaus die Kinder in dem Gemeindekindergarten betreut. Die Zahl der Plätze im Kapellenweg war in den beiden Jahrzehnten erheblich auf 30 verringert worden. 1970 konnte ein Kindergarten-Neubau an der Eichenfeldstrasse 14 für 80 Kinder im Alter von 3-6 Jahren begonnen werden. Der Umzug erfolgte im April 1971 und ist somit 55 Jahre her.
Auszug aus der Gemeindechronik Teil 4
Der Auszug aus der Gemeindechronik Teil 4 umfasst die Jahre von 1974 bis zum Jahr 2001.. Ingrid Kürsten
1974 kein Kirchenneubau, sondern Bau eines Pflegeheimes
Der Traum von einem Kirchenneubau wurde 1974 endgültig aufgegeben und das dafür angesammelte Geld stattdessen in den Bau des Pflegeheimes investiert.
Dieses konnte 10 Jahre später, am 14.11.1984, seiner Bestimmung übergeben werden.

1994 Renovierung Gemeindesaal
Noch ein Jahrzehnt später, am 27. November 1994, konnten die Gemeindeglieder sich an dem neu gestalteten Kirchenraum erfreuen. „Der Altarraum ist grau vom Kerzenruß, die Holzverkleidungen an den Wänden sind zerkratzt: In dem
Kirchsaal ist seit 17 Jahren kein Pinselstrich mehr getan worden.“ So hatte die Hannoversche Allgemeine ein knappes Jahr zuvor Pastor Prieber zitiert. „Eine ehemalige Konfirmandin von mir bat mich, sie und ihren Verlobten zu trauen. Doch sie wollte die Trauung nicht in unserer Kirche, die war ihr zu häßlich.“ Spendenaufrufe an die Gemeinde waren erfolgreich: Mehr als 80.000 DM steuerten die Mitglieder zu den Sanierungskosten in Höhe von über 340.000 DM bei. Im Rahmen der Sanierung wurde auch das runde Fenster im Altarraum eingebaut. Auf den Fotos ist der Zustand während und nach den Bauarbeiten zu sehen.

Planung Neubau Gemeindehaus
Dadurch, dass jahrelang alle verfügbaren Baumittel in die Sanierung des Kirchsaales gesteckt worden waren, ist die bauliche Unterhaltung des Gemeindehauses etwas zu kurz gekommen. Das Gebäude ist inzwischen in die Jahre gekommen.
Von der Ausstattung her entspricht es nicht mehr den heutigen Anforderungen und die vielfältigen Aktivitäten der Gemeinde leiden unter den begrenzten Räumlichkeiten. Der Kirchenvorstand sieht die Notwendigkeit, einen behindertengerechten Gemeindetreffpunkt zu schaffen, mit genügend Räumen für die vielen verschiedenen Gruppen, mit einem Saal für größere Feiern und einer „Bar“, wo man sich in netter Atmosphäre treffen kann. Daher werden derzeit Pläne entwickelt und Anträge gestellt. Ziel ist eine Erweiterung oder ein vollständiger Neubau des Gemeindehauses. Die Kosten werden auf 1,5 Mio. DM geschätzt. Davon muß die Gemeinde mindestens ein Drittel selbst aufbringen. Die Gemeindemitglieder können sich hier nicht nur wieder finanziell engagieren, sondern im „Projektausschuss Gemeindehaus“ auch aktiv bei der Planung und Gestaltung des Baues mitwirken.
Von der Gemeinde zur Region Hannover-West Die regionale Zusammenarbeit der drei Kirchengemeinden Ahlem, Daven stedt, Badenstedt und der Kapellengemeinde Velber wurde in den letzten Jahren intensiver. Besonders auffällig für die Gemeindeglieder ist der „Kanzeltausch“.
Pastoren aus Ahlem oder Davenstedt kommen nach Paul-Gerhardt, während einer unserer Pastoren in einer der anderen Gemeinden den Gottesdienst feiert.
Wir erleben gemeinsam „Regionalgottesdienste“, feiern abwechselnd in den Gemeinden einmal im Monat in den Wintermonaten einen gemeinsamen Gottesdienst mit anschließendem Essen im Gemeindehaus der jeweiligen Gemeinde und treffen uns zum Regionalgottesdienst mit „Kohlwanderung“ im Februar, haben auch schon einmal im Sommer von Ahlem aus eine Schifffahrt auf dem Kanal gemacht.
Im „Interregio“, einem Arbeitskreis haupt- ehrenamtlich Tätiger in der Region, wird demnächst zusammen mit den Kirchenvorständen der vier Gemeinden beraten, ob man in der Region auf ein „verbundenes Pfarramt“ zugehen sollte. Damit wäre u.a. eine bessere Koordination der Angebote für die Gemeinden und eine gezieltere Einsatzplanung Hauptamtlicher möglich. Damit könnte möglichen weiteren Stellenplanreduzierungen im Rahmen von Einsparungsmaßnahmen der Landeskirche besser begegnet werden.
verfasst von Karla-Brigitte Müller im Juli 2001